Donnerstag, 18. Dezember 2014

Lautgedacht: Selbstjustiz im 21. Jahrhundert

Der Focus berichtete heute, dass Sanel M. Morddrohungen erhalte. Ich will im Folgenden nicht auf Tugce A. eingehen, sondern über die Reaktionen auf den Artikel bei Facebook. 
Hier ein paar Kommentare, damit ihr wisst wovon ich rede: 
"Um solche Leute muss man sich nur Sorgen mach in einem Punkt, wer wird das nächste Opfer von ihm. Ansonsten kann man den als Vogelfrei betrachten"
"Sollen se ihn tot schlagen!"
"hoffentlich schlägt den auch jemand zum krüppel"
"Der soll besser sich erhängen in zelle der hurensohn"
"Ich hoffe, das Sie ihre Drohungen auch wahr machen!!!"
Ganz ehrlich? Ich bin echt schockiert. Ist es mit der Gesellschaft schon so weit? Gehen wir jetzt zurück zur Selbstjustiz? 
Diese Kommentare rufen geradezu dazu auf den Täter Sanel M. umzubringen. Grund dafür mag vielleicht das fehlende Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat sein. Viele verstehen nicht, warum der Täter nicht mehrere Jahre in den Knast kommen soll. Sie nennen ihn Mörder und Totschläger. Ich gebe dem Rummel, den die Presse veranstaltet hat, die Schuld. So wurde Tugce zu einer Art Symbolfigur gemacht. Eine gute Erklärung für Nicht-Juristen warum Sanel M. kein Mörder etc. ist gab es jedoch nicht zu lesen. Stattdessen wird ein Schlag zu einem "ins Koma geprügelt" und der Täter zu einem "Opfer". Ich will die Tat von Sanel M. nicht herunterspielen, jedoch bin ich deutlich gegen Selbstjustiz und den Aufruf sich an ihm zu rächen. Einige der Kommentare sprachen von "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Dies passt für mich vorliegend jedoch nicht. Sanel M. ist 18, war stark alkoholisiert und ob er den Tod der Studentin wollte ist nicht bewiesen. Ihn umzubringen, würde demnach eine übersteigerte Rache bedeuten und ist nicht auf der gleichen Ebene wie die Tat selbst. Sondern wäre noch schlimmer. Letztlich würde der Tod an ihm, Tugce nicht zurückbringen. Würde den Schmerz der Familie nicht heilen. Stattdessen würde man selbst eine Straftat begehen und sich so auf eine noch niedrige Stufe stellen als Sanel M. 
Vielmehr sieht man hier doch mal wieder, dass Prävention verdammt wichtig ist. Prävention heißt für mich jedoch nicht einen Jugendlichen einfach in den Knast zu stecken, wie dies viele auf Facebook forderten. Prävention beginnt im Elternhaus, dem Kindergarten, mit Hilfe von Bildung etc. Und von den Kommentaren die eine Abschiebung forderten, will ich gar nicht erst anfangen ^^