Freitag, 5. Dezember 2014

Buchtipp: Ferdinand von Schirach

Ich lese für mein Leben gerne. Heute will ich euch einen Autor vorstellen, dessen Bücher mir besonders gut gefallen haben. 
Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger und Schriftsteller. Und vor allem ein richtig guter Erzähler. Alles was ich bisher von ihm gelesen habe, habe ich regelrecht verschlungen! Die Geschichten zogen mich in ihren Bann und nach dem Zuklappen des Buches, blieben sie noch lange in meinen Gedanken. 
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2009 veröffentlichte Schirach das Buch "Verbrechen". In dem Buch finden sich mehrere kleine Geschichten, in denen der Protagonist jeweils im Konflikt mit dem Gesetz/ der Staatsgewalt steht. Das Beeindruckende daran: jede Geschichte zeigt, dass nicht alles schwarz-weiß ist. So können aus Tätern auch Opfer werden: Ein Mann raubt eine Bank aus, jedoch mit guten Gründen. Ein Doktor erschlägt nach vierzig Jahren seine Ehefrau. Und eine junge Frau tötet ihren Bruder - aus Liebe. 
Bereits im Vorwort des Buches steht "Die meisten Dinge sind kompliziert, und mit der Schuld ist es so eine Sache". Und so ging es mir wirklich beim Lesen. Ich konnte die Täter verstehen, hatte fast schon Mitleid mit ihnen... - gruselig!

Sprachlich fallen die kurzen, markanten Sätze Schirachs auf. In einem wahnsinnigen Tempo schafft er es dennoch Spannung aufzubauen. Hier merkt man deutlich seinen Hintergrund als gelernter Anwalt. Völlig schnörkellos und distanziert erzählt er schreckliche Schicksale. Dabei erhält man kleine Einblicke in die Arbeitsweise der Justiz.

Kurz darauf habe ich das zweite Buch mit Kurzgeschichten von Schirach gelesen: "Schuld". Wieder geht es um die Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld. Eine junge Frau wird jahrelang von ihrem Ehemann brutal misshandelt - bis er eines Tages erschlagen wird. Ein Internatsschüler wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gequält. Das Spiel eines Pärchens gerät außer Kontrolle. Doch wie kam es dazu? Wieder führen seine Geschichten der Widerspruch zwischen Gerecht und Recht, Gesetz und Rechtsempfinden vor Augen.
 Zuletzt las ich "Der Fall Collini". Hier geht es um den gleichnamigen Protagonisten, der scheinbar grundlos einen alten, einflussbaren Mann ermordete. Seinem Pflichtverteidiger will Collins nichts sagen. Was war sein Motiv? Das Buch führt den Leser in ein schreckliches Kapitel deutscher Justizgeschichte... 
Fazit: Ich persönlich bin absolut begeistert von den drei Büchern. Und nicht nur, weil ich Jura studiere. Schirach hat es geschafft mich nachdenklich zurückzulassen und mir ein bisschen die Augen zu öffnen. Das Spiel des Lebens hinterlässt seine Opfer. 
Auf meiner Wunschliste stehen definitiv noch seine weiteren Bücher "Tabu" und "Die Würde des Menschen ist unantastbar". 
Außerdem gibt es seine Kurzgeschichten inzwischen auch als Serie - die muss ich mir unbedingt mal anschauen! Werde euch dann berichten!